P. Andreas Müller CM über seine Arbeit im Trierer Hospiz
Seit 2006 bin ich im stationären Hospiz in Trier tätig. Bis 2025 durfte ich diesen Dienst gemeinsam mit Pater Norbert Ensch ausüben. Seit 2026 führe ich die Begleitung alleine weiter.
Diese Aufgabe ist für mich weit mehr als ein regelmäßiger Dienst – sie ist eine zutiefst erfüllende Berufung. Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten, bedeutet, an einem existentiellen Ort zu stehen: dort, wo sich das Leben verdichtet, wo Wesentliches zur Sprache kommt und wo Abschied und Hoffnung nahe beieinanderliegen.
Im Hospiz begegne ich Gästen und ihren Angehörigen – unabhängig von Glaube, Konfession oder Herkunft. Entscheidend ist nicht die religiöse Zugehörigkeit, sondern der Mensch mit seiner Geschichte, seinen Fragen, seinen Ängsten und seiner Dankbarkeit. Jede Begegnung ist einzigartig.

Mein wöchentliches Angebot
Im Rahmen eines wöchentlichen Angebots stehe ich für Gespräche und spirituelle Begleitung zur Verfügung. Bei Bedarf der Gäste oder ihrer Angehörigen kann dieses Angebot selbstverständlich erweitert werden.
Ich biete Raum für:
- Gespräche über das, was schwer ist – oder was gut tut.
Ohne Druck, ohne Erwartung, ohne vorgefertigte Antworten. - Gebet oder bewusstes Schweigen.
Eine Kerze entzünden, Worte finden, die tragen – oder einfach gemeinsam still sein. - Sakramentale Begleitung auf Wunsch:
Krankensalbung, Kommunion oder Beichte. - Einfaches Dasein.
Als Mensch unter Menschen. Zuhörend. Mittragend. Gegenwärtig.
Im Hospiz darf alles Raum haben: Angst, Zweifel, Hoffnung, Dankbarkeit, vielleicht auch Versöhnung oder unausgesprochene Fragen. Es geht nicht darum, schnelle Antworten zu geben. Es geht darum, den Weg nicht allein gehen zu müssen. Gern gehe ich ein Stück dieses Weges mit.
Begleitung des Teams
Ein weiterer wichtiger Bestandteil meines Dienstes ist die Begleitung der hauptamtlichen Mitarbeitenden sowie der ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und -helfer.
Die Arbeit im Hospiz fordert fachlich wie menschlich heraus. Pflegekräfte, Mitarbeitende in Therapie und Hauswirtschaft sowie Ehrenamtliche tragen täglich schwere Situationen mit – oft still und selbstverständlich. Auch sie brauchen einen geschützten Raum für Gespräch, Austausch und geistliche Stärkung.
Gespräche, kurze Impulse, gemeinsame Gebetszeiten oder einfach ein offenes Ohr gehören daher ebenso zu meinem Dienst. Diese Begegnungen sind für mich keine Zusatzaufgabe, sondern eine große Bereicherung. Ich erlebe viel Engagement, Empathie und Professionalität – und empfinde es als Geschenk, Teil dieses Teams sein zu dürfen.
Die Jahre im Hospiz haben mich geprägt. In der Nähe des Sterbens wird vieles klarer: was trägt, was zählt, was bleibt. Diese Erfahrung empfinde ich als Geschenk – trotz aller Schwere.
Pater Andreas Müller CM
