Die Frage, aus der die Überschrift dieses Textes besteht, ist für die meisten Menschen im Westen unseres Landes eine durchaus berechtigte Frage. Wenn man auch den Ort Finsterwalde geographisch zunächst nicht verorten kann, so dürfte der eine oder andere schon einmal das Lied „Wir sind die Sänger von Finsterwalde, wir leben und sterben für den Gesang“ gehört haben. Wilhelm Wolff komponierte diese Lied 1899 in Berlin. 

Finsterwalde ist eine Stadt im südlichen Brandenburg und der einwohnerreichste Ort im Landkreis Elbe-Elster mit rund 16.000 Einwohnern. Finsterwalde liegt in der Niederlausitz, einer Region, die zum größten Teil im Süden von Brandenburg liegt. Sie ist 112 km südlich von Berlin, 78 km nördlich von Dresden, 53 km südwestlich von Cottbus und 109 km nordöstlich von Leipzig gelegen. 

Soweit, so gut. Aber was haben die Vinzentiner mit Finsterwalde zu tun? 
Der Weg unserer Gemeinschaft nach Finsterwalde war mit einigen Umwegen verbunden. Bereits in den 2000er Jahren gab es in der deutschen Provinz die Idee in Berlin ein internationales Haus der Gemeinschaft zu errichten. Es blieb allerdings fast zwei Jahrzehnte bei dieser Idee. 

Eine Niederlassung im „Osten“ kam dann wieder im Rahmen unseres Transformationsprozesses vor rund zwei Jahren ins Gespräch. In einem Szenarium der Steuerungsgruppe tauchte die Idee einer Niederlassung in Berlin wieder auf. Dabei weitete sich aber der Fokus auf den eher ländlichen Bereich im östlichen Teil unseres Landes. Und wie der so genannte Zufall so spielt stellte ich heraus, dass der Bischof von Görlitz durch eine Tante in Lippstadt die Vinzentiner kennt. Gleichzeitig waren die Urlaubsvertretungen von P. Norbert Ensch in Hubertushöhe/Storkow, das im nördlichsten Zipfel der Diözese Görlitz liegt, und der gute Kontakt zum dortigen Pfarrer, ein idealer Ansatzpunkt für eine Erkundung der Möglichkeiten und Chancen für ein neues Projekt der Provinz. 

Der sehr rasch zustande gekommene Kontakt mit Bischof Wolfgang Ipolt und das erste Gespräch in Görlitz im Dezember 2023 waren ein entscheidender Meilenstein. Es war eine ermutigende und wohltuende Erfahrung einem Bischof zu begegnen der nicht nur Interesse am Einsatz einer Gemeinschaft in der Seelsorge seines Bistums hat, sondern der auch großen Wert darauf legt, dass diese Gemeinschaft als solche mit ihrem Charisma das Leben einer Gemeinde prägt. 

Pfarrkirche Santa Maria Mater Dolorosa von Südwestens gesehen unter blauen Himmel

Bei der Auswahl der möglichen Orte einer künftigen Niederlassung stellte sich sehr schnell heraus, dass Finsterwalde, näher hin die Pfarrgemeinde Santa Maria Mater Dolorosa, die besten Möglichkeiten bieten würde: Pfarrkirche, Gemeindehaus und Pfarrhaus unmittelbar nebeneinander und abgeschlossen umfriedet. Baulich in einem hervorragenden Zustand. 

Der entscheidende Schritt für ein neues Projekt unserer Provinz wurde bei der Provinzversammlung im Oktober 2024 getan. Mit großer Mehrheit stimmten die Mitbrüder dem Gesamtszenarium der Steuerungsgruppe zu. Darin enthalten war die Schließung von drei unserer Häuser – Lippstadt, Niederprüm und Wien – und die Errichtung einer Niederlassung in Finsterwalde. 

Am 17. März 2025 ging P. Norbert Ensch als erster Vinzentiner nach Finsterwalde und wurde zum 1. April 2025 zum Pfarradministrator ernannt. Am 27.04.2025 wurde er von Dekan Udo Jeckel in seine neue Aufgabe eingeführt. 

Die Pfarrgemeinde Santa Maria Mater Dolorosa hat ca. 800 Gemeindemitglieder. Sie liegt damit im oberen Drittel der Diasporagemeinden im Bistum Görlitz. Zu der Gemeinde gehören die Kirche in Doberlug – Kirchhain und in Tröbitz. Regelmäßige Gottesdienste finden in Finsterwalde am Sonntag, Dienstag und Freitag statt. In Doberlug – Kirchhain am Mittwoch und Samstag. In Tröbitz finden keine Gottesdienste auf Grund wenigen Katholiken statt. 

Gemeindemitglieder*innen im Garten hinter der Pfarrkirche

In Finsterwalde gehört das Kinderhaus (Kita) St. Raphael zur Gemeinde. Dort werden täglich 60 Kinder betreut. Ebenfalls zur Pfarrgemeinde gehört das Caritashaus St. Elisabeth mit einer Beratungsstelle und der Sozialstation. 

Ein Schwerpunkt der Seelsorge ist der wöchentliche Religionsunterricht der im Gemeindehaus stattfindet. Dort nehmen insgesamt ca. 20 Schülerinnen und Schüler der Grund- und Hauptschule teil. Im Bundesland Brandenburg findet der Religionsunterricht in den Gemeinden und nicht in der Schule statt. 

Ein weiterer Aktivposten der Pfarrgemeinde ist große Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter. Deren Einsatz erstreckt sich von der Straßenreinigung vor dem Gemeindezentrum über die Pflege des großen Pfarrgartens bis zum Putz- und Reinigungsdienst in der Pfarrkirche. Beim Helferabend konnten wir 85 ehrenamtlichen Mitarbeitern danken. 

Bläsergruppe im Garten bei einer Veranstaltung

Der Kirchenchor und die Bläsergruppe bereichern durch ihre Beiträge die verschiedenen Gottesdienste und Veranstaltungen in der Pfarrgemeinde. 

Nicht unerwähnt bleiben dürfen der sehr engagierte Pfarreirat und der Kirchenvorstand. Mit viel Herzblut und einem hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein gestalten und tragen sie das Leben der Pfarrgemeinde. 

Prozession der Gemeinde, im Vordergrund Messdiener mit Kreuz und Kerze, hinten der Pfarrer unter einem Baldachin

Finsterwalde in der Diaspora – eine ganz neue Erfahrung, aber ganz anders und viel positiver als das scheinbar unausrottbare Vorurteil vom „heidnischen Osten“. Hier leben überzeugte und engagierte Christen, die zu DDR Zeiten und unter Beobachtung und Druck ihren Glauben bewahrt, gelebt und verteidigt haben. In vielen Bereichen sind sie ihren Schwestern und Brüdern im Westen voraus. 

Darum habe ich zu Beginn meiner Tätigkeit auch klar gesagt: „Ich bin kein Besser-Wessi!“ 

Finsterwalde im August 2025 
P. Norbert Ensch C.M.