Nach 105 Jahren des seelsorglichen Wirkens haben die deutschen Vinzentiner im September 2026 Lippstadt verlassen. 1921 waren die Mitbrüder in die westfälische Stadt gekommen, um in der dortigen „Villa Kleine“ ein Internat für die Schüler der katholischen Rektoratsschule zu eröffnen. 

Foto Villa in Lippstadt

Nachdem bereits zwei Jahre später die Schule vom preußischen Staat geschlossen wurde, war das Internat überflüssig. Zwar behielt das „Vinzenzkolleg“ seinen Namen, diente nun aber vor allem als Wohnort für die Vinzentiner, die deutschlandweit in den „Volksmissionen“ tätig waren. Darüber hinaus hatte das Haus immer eine überregionale Bedeutung als Beichtort und bot täglich die Gelegenheit zur Mitfeier der heiligen Messe. Die Kapelle wurde auch gerne für Hochzeiten genutzt und war der Mittelpunkt verschiedener geistlicher Angebote wie Besinnungstage, Vorträge und Andachten. Zusätzlich waren immer wieder Mitbrüder in Lippstädter Schulen, Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen und in der Pfarrseelsorge eingesetzt. Die Umgestaltung des benachbarten Kutscherhauses zu einem Gästehaus erweiterte in den 1990er Jahren nochmals die pastoralen Möglichkeiten des Vinzenzkollegs. 

Aufgrund der Personalsituation des Ordens hat die Provinzversammlung 2024 schweren Herzens beschlossen, die Zahl der Hausgemeinschaften zu reduzieren. So haben im Herbst 2026 die noch verbliebenen Patres Georg Witzel, Christoph Waryan und Hans-Georg Radina das Vinzenzkolleg verlassen und sind in das Vincentinum nach Trier umgezogen. Mit viel Herzblut und guten Wünschen haben die Gläubigen sich am 6. September mit einem festlichen Hochamt in der Lippstädter Nicolaikirche von „ihren Päterkes“ verabschiedet. In der Messfeier, der der Provinzial Pater Klaus Backes vorstand, ließ Pater Radina die Geschichte des Hauses noch einmal Revue passieren. Stellvertretend für die Pfarrgemeinden und alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt brachten Dechant Thomas Wulf und die stellvertretende Bürgermeisterin Nicole Thomann ihre Dankbarkeit für das jahrzehntelange Wirken der deutschen Vinzentiner zum Ausdruck. 

Auch wenn dieser Abschied ein großer Einschnitt ist, so markiert er dennoch einen Neuanfang. Das Vinzenzkolleg bleibt ein geistliches Zentrum und wird künftig von indischen Vinzentinern weitergeführt. 21 indische Mitbrüder arbeiten z.Z. in Pfarreien verschiedener deutscher Bistümer. Was bisher aber fehlte, war ein eigenes Zentralhaus in Deutschland. Diese Funktion soll nun das Vinzenzkolleg übernehmen, wo auf Dauer wieder drei Vinzentiner leben und arbeiten werden. Mit der Ernennung des neuen Rektors, Pater Dr. Jaison Ambadan, der bereits seit März 2026 im Haus wohnt, ist der Neuanfang eingeleitet. Wir wünschen den indischen Mitbrüdern Gottes Segen für ihre Arbeit in Lippstadt!