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Vinzenz Heute


Vinzenz als lebendiges Vorbild

Der Auftrag ist zeitlos


Vinzenz von Paul erinnert uns an unser christliches Erbe und auch heute noch steht die Nächstenliebe und der persönliche Kontakt zu den Armen und Hilfsbedürftigen an erster Stelle.

Sein Werk lebt bis heute weiter. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür ist die Gefängnisseelsorgin Sr. Johanna Kohlunder in der JVA Gotteszell in Schwäbisch-Gmünd. Sie lebt die tätige Nächstenliebe und Barmherzigkeit in der Begegnung mit gestrauchelten und schuldiggewordenen Menschen.

Sr. Johanna Kohlunder hat koratische Wurzeln und gehört der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern in Untermarchtal an. 10 Jahre lang arbeitete sie als Diplomsozialpädagogin mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen. Seit nunmehr 22 Jahren ist sie als Gefängnisseelsorgerin in der Frauenjustizvollzugsanstalt Schwäbisch-Gmünd tätig, im Volksmund auch Gotteszell genannt.
Es ist die einizige große Justizvollzugsanstalt für Frauen im Land Baden-Württemberg. Dort sind zurzeit zwischen 350 - 400 Frauen inhaftiert, was nur 4-5 % aller Gefangenen ausmacht, der Rest sind Männer. Alle Arten von Straftaten werden dort verbüßt, von Mord und Totschlag bis hin zu Drogendelikten, Kindesmissbrauch und Raub.

Warum bin ich Seelsorgerin in Gotteszell?

"Immer wieder werde ich gefragt, warum ich Seelsorgerin in der JVA geworden bin. Unser Bischof von Rottenburg-Stuttgart, damals war das der jetzige Kardinal Walter Kasper, suchte für Gotteszell jemanden mit entsprechenden fachlichen und menschlichen Voraussetzungen. Meine Generaloberin fragte mich, ob  ich bereit wäre, diesen Dienst zu übernehmen und ich sagte zunächst mit gemischten Gefühlen ja. Wir wussten nicht, was da alles auf mich zukommt, weil das das erste Mal war, dass jemand von uns Schwestern diese Arbeit hauptamtlich macht. Und ich möchte Ihnen sagen, ich habe dieses "Ja" damals zu dieser Aufgabe bis heute nicht bereut.
Es ist ganz wichtig, dass wir hier als Kirche präsent sind. Die Menschen brauchen uns. Wenn ich nach Feierabend die Türen hinter mir verschließe, gelingt es mir nicht immer, die Sorgen meiner Frauen hinter der Mauer zu lassen. Sie beschäftigen micht weiter. Mittlerweile schaffe ich es, manches ruhen zu lassen, trotzdem geht mir nachts einiges durch den Kopf. Zum Beispiel, dass sich vor zwei Jahren eine Frau umgebracht hat, geht mir heute noch nach. Die Frage kommt immer wieder: Hättest Du es verhindern können? Da hilft mir dann die Tatsache, dass ich weiß, ich bin nicht allein. Jesus ist da, er steht zu mir und hilft mir, diese Frage auszuhalten und zu der Erkenntnis zu kommen, dass wir nicht alles verhindern können. Es gibt Dinge, die ein Geheimnis bleiben.

Gott sei Dank gibt es das Kreuz Jesu, auf das wir alles Belastende übergeben können! Bei Ihm ist alles gut aufgehoben.


In Gotteszell bin ich zuständig für die Menschen am Rande der Gesellschaft, für die Gestrauchelten, die gegen das Gesetz verstoßen haben. Hier gehe ich nicht mit einer Bibel und einem Rosenkranz in der Hand durch die Anstalt und predige Strafbotschaft. Die Frohbotschaft ist mir viel wichtiger. Meine Aufgabe ist nicht, die Menschen zu bekehren, ihnen die Leviten zu verlesen, weil sie etwas Schlimmes getan haben - dass tun Staatsanwälte und Richter schon zu genüge. Die Seelsorgerin ist keine Moralistin. Ich versuche immer, die Botschaft vom barmherzigen Vater und von derr Ehebrecherin in den Mittelpunkt meines Umgangs mit inhaftierten Frauen zu stellen.

Meine Aufgabe sehe ich darin, zu den Notleidenden hinzugehen, ihnen zuzuhören, sich Zeit für sie zu nehmen und zu fragen: Wie geht es Ihnen? Brauchen Sie Hilfe? Es ist mir wichtig, dem Menschen das Gefühl zu geben: Du bist mir wichtig; ich verurteile Dich nicht; ich habe Zeit für Dich und Deine Not; ich nehme Dich ernst - Du bist mir wichtig, weil Du Gott, Deinem Schöpfer wichtig bist." (Sr. Johanna Kolunder, s. Jahresheft 2011)





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